Der heutige Buchtipp

Austin, Lynn: Ein letzter Flug. Francke, 2018. 10 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥

ein letzter flug

Er ist lebendig gestorben

Wilhelmina ist eine Musikprofessorin, deren Leben und Leidenschaft aus Musik und ihren Studenten besteht. Als sie für sie völlig überraschend in den Ruhestand geschickt wird, fällt sie in ein tiefes, schwarzes Loch, denn ihr Leben ist auf einmal sinn-los. Zwar ist sie noch Organistin in ihrer Kirche, engagiert sich in der Hospizarbeit (wobei sich diese Mitarbeit auf das Verteilen von Flyern und kleinere Vorspiele auf dem Klavier im Warteraum der Ärzte beschränkt), aber eigentlich möchte sie den ganzen Tag im Bett liegen und weinen. Aber bei einem dieser Vorspiele im Ärztehaus lernt sie den Piloten Mike Dolan kennen. Unternehmungslustig, spontan, weltoffen, fröhlich, mit Sohn und Enkelkindern ist er das genaue Gegenteil von dem, was Wihelmina bisher geprägt hat. Als die beiden ins Gespräch kommen, offenbart Mike ihr, dass er gerade erfahren hat, dass seine Krebserkrankung zurückgekehrt ist und er nur noch ein paar Wochen oder Monate zu leben hat. Diesmal will er keine Behandlungen mehr vornehmen lassen, sondern mit seinem Flugzeug einfach aufs Meer hinausfliegen und vergessen, umzukehren. Wilhelmina ist geschockt. Selbstmord ist doch eine Sünde, aber da Mike sich als Atheist bezeichnet, macht er sich keine Gedanken um sein Seelenheil. Wilhelmina kann als Kirchenmitglied das natürlich nicht einfach so stehen lassen und obwohl sich alles in ihr sträubt, Kontakt mit ihm aufzunehmen, möchte sie von seinem Entschluss abbringen und ihn mit Jesus bekannt machen. Aber ganz plötzlich wird Wilhelmina in Mikes Leben mitgenommen und erlebt, was ihr gut tut. Und um ihr Ziel bei Mike zu erreichen, muss sie sich dem wichtigsten „Hilfsmittel“ Jesu öffnen – der Liebe.

Ein herzergreifender Roman über das Ende des Lebens und die Zukunft danach (wobei der Hinweis der Autorin auf die ewig lebende Seele natürlich nicht biblisch ist). Die neuen Erfahrungen, die Wilhelmina macht, sind so spannend und fesselnd dargestellt, dass man das Buch nicht weglegen kann, sondern immer weiter erfahren will, was Mike noch alles einfällt, um Wilhelmina aus der Reserve zu locken und wie Mike wiederum auf Wilhelminas „Bekehrungsversuche“ reagiert.

Appel, Dan M.: The choice – Die Entscheidung. ABC-Medien & Top Life Center, 2018. 14,99 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥♥

the choice

Brendas Mann war seit einem Jahr tot. Aber auf einmal war er wieder zurück

Das hier ist wirklich ein ganz besonderes Buch, obwohl ich zwei Anläufe brauchte, um es zu lesen. Den ersten Leseversuch unternahm ich, als das Buch 2008 im Original in Englisch erschien. Aber nach dem ersten Kapitel musste ich es wieder weglegen, da es mir zu gruselig war. Jetzt erschien die deutsche Übersetzung und deshalb der zweite (erfolgreiche) Versuch. Und es hat sich gelohnt!

Worum geht es?

Brenda, eine junge Witwe mit zwei kleinen Kindern, lebt im idyllischen Gentry County, Missouri. Ihr Mann ist völlig überraschend gestorben und sie und die Kindern  vermissen ihn sehr. Trost findet Brenda ein wenig in ihrer Kirchengemeinde, der Community-Kirche von Cherry Pit. Sie nimmt jede Woche an der Gebetsstunde, die von Pastor Stan Adkins geleitet wird, teil. Und an einem Abend macht sie dort eine aufregende Mitteilung: Ihr Ehemann Johnny ist wieder zurück – einfach so. Er kam eines Abends genau wie früher nach Hause, schloss die Tür auf, hängte seinen Mantel an die Garderobe und besuchte sie im Schlafzimmer. Und seitdem ist er jede Nacht bei ihr und sie genießt das intime Zusammensein mit ihm. Endlich hat ihr Leben wieder Freude und Sinn. Zuerst sind alle Anwesenden geschockt und auch Pastor Stan weiß nicht, wie er mit der Situation umgehen soll. Denn so richtig freuen kann er sich nicht mit Brenda. Ist das wirklich Johnny, der sie besucht? Was soll er ihr raten? Pastor Stan beginnt das zu tun, was ihm bisher immer bei schwierigen seelsorgischen Problemen geholfen hat – er studiert die Bibel und bittet Gott, ihm Weisheit und Einsicht zu schenken. Der Leser kann dieses Bibelstudium genau verfolgen, denn der Autor Dan Appel, ein pensionierter, adventistischer Pastor, gibt alle Bibelzitate genau an, damit man alles selbst nachlesen kann. Während seines Studiums erkennt Pastor Stan, dass auch er als studierter Theologe so manche Glaubenspunkte einfach nur übernommen hat, ohne den Wahrheitsgehalt an der Bibel zu überprüfen. Als er seiner Kirchengemeinde dann das Ergebnis seiner Studien mitteilt, beginnt ein gnadenloser Kampf. Denn Brenda ist nicht die einzige, die Besuch aus Jenseits bekommt. Auch Ben trifft täglich seine verstorbene Tochter, die Gemeindeleiterin Juanita nimmt ihr Mittagessen immer mit ihrem toten Mann ein. Dann gibt es noch Cindy, die sich viel mit Astrologie und Esoterik beschäftigt. Aber nachts hört sie ständig Schritte in ihrer Wohnung und immer brennt eine Kerze auf ihrem Tisch. Und Nadine, eine junge Frau, die von ihrer Tante zur Hexe ausgebildet wurde und jetzt Anführerin eines Hexenzirkels im Ort ist. Jeder einzelne wird in diesen geistlichen Kampf einbezogen, jeder muss Stellung beziehen – es gibt keine neutrale Zone. Und diese Auseinandersetzung ist viel härter, als man sich jemals vorstellen konnte. Denn es geht um Leben und Tod, sogar um ewiges Leben und ewigen Tod! 

Was das Lesen auch so beeindruckend macht, ist, was der Autor Dan M. Appel selbst zum Hintergrund dieses Buches im Vorwort schreibt: „Ich habe dieses Buch als Erzählung geschrieben und Fakten aus dem Leben von Menschen, die ich kenne, frei nacherzählt. Ich habe mir nichts ausgedacht, was nicht hätte geschehen können, habe aber vieles eingewoben, was Menschen tatsächlich erlebten, die ich persönlich kenne, mit denen ich gesprochen habe und die ich schätze. Manchmal habe ich mir bei der Niederschrift von Dialogen und Ereignissen so viel literarische Freiheit genommen, dass vom eigentlichen Geschehen nur noch ein Teil übrig geblieben ist. In anderen Passagen habe ich die Ereignisse so wirklichkeitsnah geschildert, dass sich die betreffenden Personen leicht wiedererkennen könnten – obwohl ich Namen und Ortsangaben zum Schutz der Privatsphäre verändert habe.“

Gerade in der heutigen Zeit, in der auch in der (Kinder-)Literatur Hexen, Zauberer, Magier und Geister Hochkonjunktur haben, ist dieser (Sach-)Roman eine wichtige Hilfe! Absolute Leseempfehlung!

Dickerson, Melanie: Mit Herz und Bogen. Brunnen, 2018. 17 EUR

Wertung: ♥♥♥♥

mit herz und bogen

Die junge Fronika lebt im Jahr 1363 wohlbehütet bei ihrem Onkel, dem wohlhabenden Kaufmann Rutger, in der (fiktiven) Markgrafschaft Dornbeck. Aber das war nicht immer so. Nach dem Tod ihrer Eltern, Fronika war damals fünf Jahre alt, musste sie bei einer Pflegefamilie hart arbeiten, hungern und betteln. Das hat sie nicht vergessen und deshalb ist es ihr wichtig, den armen Kindern ihrer Heimatstadt zu helfen. Zum einen erteilt sie den Kindern Unterricht im Schreiben und Lesen, zum anderen jedoch macht sie nachts heimlich Jagd auf das Wild des Markgrafen, um das Fleisch an die bedürftigen Familien der Stadt zu verteilen. Ihr Onkel ist zwar eingweiht, aber ansonsten muss sie ihr gefährliches Tun so geheim wie möglich halten, denn die Folgen, sollte sie dabei erwischt werden, wären fatal. Und so spitzt sich ihre Lage zu, als ein neuer Förster in den Dienst des Markgrafen tritt. Matthis, der früher ebenfalls ein Straßenkind war, aber vom freundlichen Wildaufseher und seiner Frau adoptiert wurde, ist ein fähiger, kluger, junger Mann, dessen vordringlichste Aufgabe es ist, den Wilderer dingfest zu machen. Fronika sollte ihm möglichst aus dem Weg gehen, doch dann verlieben sich die beiden Hals über Kopf ineinander. Natürlich spitzt sich die Lage zu, Intrigen nehmen ihren Lauf und am Ende steht nicht nur Fronikas Glück sondern auch ihr Leben auf dem Spiel. Aber Matthis weiß sich von Gottes Weisheit geführt und trifft die richtigen Entscheidungen.

Dieser historische Roman ist eine nette Unterhaltung mit viel Romantik und ein bisschen Spannung. Locker und leicht geschrieben beschreibt er das Gefühlsleben von Fronika und Matthis abwechselnd aus der jeweiligen Perspektive. Leider bleiben die Nebenfiguren sehr blass, was schade ist, denn da hätte das Buch noch viel Potential gehabt. Aber trotzdem empfehlenswert.

Autorenlesung mit Titus Müller

und seinem Roman „Der Tag X“

 

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Heute war der Bestseller-Autor Titus Müller mit seinem Roman „Der Tag X“ (Buchbesprechung hier im Blog) zu Gast am Schulzentrum Marienhöhe, Darmstadt, um den Schülern der Oberstufe nicht nur sein Buch vorzustellen, sondern auch die Zeit der DDR lebendig werden zu lassen. Fesselnd konnte er eigene Erlebnisse aus seiner Schulzeit mit den Romanfiguren verknüpfen und die Schüler so ein Stück weit in die Vergangenheit mitnehmen. Besonders interessant war, als er aufzeigen konnte, welche Personen und Geschehnisse real waren und wie sich die Geschichte vom 17. Juni 1953 auch 1989 hätte wiederholen können. In der anschließenden Fragerunde interessierte die Schüler dann noch, wie lang es dauert, bis so ein Buch fertig ist (etwa ein Jahr), wie viel der Autor daran verdient (bei einem Buchpreis von 10 EUR sind das 50 Cent für ihn) und welche Quellen er für seine Recherchen nutzt (nein, nicht Wikipedia). Nach der Lesung stand Titus Müller noch für weitere Frage zur Verfügung und so mancher Schüler freute sich, dass er ein Buch von ihm kaufen und signieren lassen konnte (auch ein tolles Weihnachtsgeschenk ♥).

 

Deutsch, Daniel: Anna-Maria und die anderen 99 Schafe. SCM R. Brockhaus, 2017. 15,95 EUR

Wertung: ♥♥♥♥

Ein Gemeinde-Roman

„Ein tragikomischer Blick auf die Gemeinde und auf das, was sie mit uns tun kann“ – so steht es im Klappentext. Denn im Mittelpunkt dieser 1997 spielenden Geschichte steht die freikirchliche Kirchengemeinde am Uhlandsplatz  (auch die GaU genannt) in einer mittleren Kleinstadt irgendwo in Deutschland. In bester Loriot-Manier wird die GaU  als verstaubte, hinterwälderische Gemeinde dargestellt, bei der nur der Gemeindeleiter Kurt (natürlich ein älterer, kleiner, glatzköpfiger Mann) noch Freude und Erfüllung im Gottesdienst findet, weil er als One-Man-Show über seine Lieblingsthemen wie die böse Welt da draußen und „Eine Frau nach Gottes Willen“ palavern kann. Auch der Hauskreis, der sich einmal in der Woche bei Buchhändler und Junggeselle Jan trifft, bleibt in den gewohnten Bahnen, auch wenn die Unzufriedenheit darüber, dass man wahrhaftig niemanden – auch die Nachbarin mit dem Woow – in den Gottesdienst einladen kann, doch immer wieder hochkommt. Das ändert sich erst, „als Gemeindeseniorin Agnes nach einer (wieder einmal todlangweiligen) Predigt tot vom Stuhl kippt“. Denn dadurch taucht Anna-Maria, die Enkelin von Agnes und Sandkastenfreundin von Jan, wieder in der Stadt auf, die sie vor über 20 Jahren überstürzt verlassen hatte. Anna-Maria wollte eigentlich nie wieder zurück kommen, denn ihre Großmutter, bei der sie nach dem Tod ihrer Eltern lebte, ist nie mit ihr zurecht gekommen und versuchte, sie mit Schlägen und Einsperren im Keller zur Vernunft zu bringen. Und so war es nicht überraschend, dass Anna-Maria mit dem erst besten Typen aus der Stadt verschwand. Und jetzt ist sie wieder da, unangepasst, laut, schrill, mit zu engen Klamotten und zu vielen Schimpfwörtern, aber trotzdem mit Glauben an den einen, der auch für sie alles gegeben hat. Bald ist sie im Hauskreis von Jan mit dabei und bringt die anderen dazu, sich nicht mehr mit den Gegebenheiten zufrieden zu geben, sondern das, was stört, zu verändern. Schnell ist der Plan gefasst, einen Gäste-Gottesdienst zu veranstalten. Aber bevor das umgesetzt werden kann, müssen viele Hindernisse, Vorurteile und Ablehnung überwunden werden. Und wie es danach mit der GaU weitergeht, bleibt am Ende des Buches auch offen – Fortsetzung soll wahrscheinlich folgen.

Auch wenn vieles überzeichnet und so manche Plattitüde formuliert ist, kommt doch einiges dem Leser bekannt vor. Auch weil es vor zwanzig Jahren wirklich noch anders war. Das schöne ist aber auch, dass sich alle Figuren einig sind, am Evangelium darf/soll nichts verändert werden, nur die Verpackung muss von Zeit zu Zeit neu hinterfragt und angepasst werden.

Ein unterhaltsamer Roman mit einem Augenzwinkern!

Egbert, Elaine: Bis der Tag anbricht. TOP LIFE Wegweiser-Verlag, 2017. 19,90 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥

Eine Geschichte über die Millerbewegung und die große Enttäuschung

Zwar hat Elaine Egbert hier einen Roman geschrieben, aber dieser beruht auf einem geschichtlichen Ereignis, dass in Europa allerdings kaum bekannt ist – The Great Disappointment.

In den frühen Jahres des neunzehnten Jahrhunderts veröffentlichte der junge, baptistische Farmer William Miller eine Reihe von Artikeln über die Prophezeiungen des biblischen Buches Daniel. Darin zeigte er auf, dass im Jahr 1843 das geistliche Heiligtum – die Kirche – gereinigt werden sollte. Später korrigierte er das Datum auf den 22. Oktober 1844 und war der festen Überzeugung, dass Jesus an diesem Tag auf die Erde kommen und seine Jünger zu sich in den Himmel holen würde. Außerem würden alle Ungläubigen sterben und nicht wie allgemein angenommen noch eintausend Jahre Zeit haben, sich zu bekehren.

Miller selbst und viele hundertausende andere, die seine Auffassung teilten (darunter waren mindestens 200 protestantische Pastoren), wurden aufgrund dieser Überzeugung aus ihren Kirchen ausgeschlossen, verfolgt, misshandelt und verlacht. Um die Botschaft zu verbreiten, waren viele der Milleriten – so wurden sie jetzt genannt – bereit, ihren gesamten Besitz zu verkaufen und das Geld zum Druck von Schriften zu spenden. Als dann jedoch der 22. Oktober 1844 verstrich, ohne das Jesus wiedergekommen war, war die Enttäuschung riesig. Natürlich wurden die Menschen verhöhnt und viele wandten sich vom Glauben ab. Aber es gab auch Gläubige, die fest auf Gott vertrauten und durch neue Erkenntnisse aus der Bibel eine Erklärung für diese Geschehnisse erhielten.

In ihrem Roman beginnt die Autorin mit dem 11. Oktober 1842. Sie lässt den Leser am Leben von ganz unterschiedlichen Personen des Dorfes Troy in Michigan teilhaben. Da ist der junge Farmer Justin, der seine Alkoholsucht überwindet und mit den Lehren Millers in Kontakt kommt. Erst steht er ganz allein da, doch dann findet er Mitstreiter in seinen Eltern, dem Arzt Dr. Abbott, der sein sorgsam gehütetes Geheimnis bewahren will, der jungen Patience, deren größter Wunsch es ist, einen liebenden, gläubigen Ehemann zu finden, und vielen anderen Dorfbwohnern. Nur seine Frau Bethene ist sehr skeptisch und verfolgt die Veränderungen ihres Mannes mit ungutem Gefühl, besonders als er anfängt, Teile seiner Farm zu verkaufen und das Geld zu spenden, obwohl sie es doch viel mehr für eine Operation ihrer gehbehinderten Tochter Lettice gebrauchen könnten. Die Anfeindungen und der Spott und Hohn werden fast unerträglich und jeder dieser „Adventisten“ geht anders damit um. Alle warten sehnsüchtig auf den Tag im Jahr 1843, an dem die Wiederkunft stattfinden soll. Als er ereignislos verstreicht, ist die Enttäuschung groß. Aber alle bekommen neuen Mut, als sie erfahren, dass der richtige Tag eigentlich der 22. Oktober 1844 ist…

In dieser Zeitspanne erlebt man die Hochs und Tiefs, die Kämpfe und freudige Erwartung der Protagonisten sehr gut mit. Auch der Zwiespalt und die Ängste, nicht bereit zu sein, werden sehr anschaulich beschrieben und man wünscht als Leser, dass ihnen klar wird, dass Jesus alles schon für uns erreicht hat.

Ein wunderbares Buch über eine spannende Zeit, die aber auch die Frage an den Leser stellt, wie ernst wir es heute kurz vor der Wiederkunft Jesu nehmen, uns auf sein Kommen vorzubereiten.

Axtell, Ruth: Maskerade im Mondlicht. Francke, 2018. 14,95 EUR

Wertung: ♥♥♥

London 1813: Die junge Französin Céline, verwitwete Lady Wexham, lebt in London, nachdem sie und ihre Mutter wie viele andere adeligen Franzosen vor den Wirren der Französischen Revolution dorthin geflüchtet sind – verarmt und desillusioniert. Der einzige Ausweg ist für Célines Mutter, ihre Tochter reich und standesgemäß zu verheiraten. Das gelingt auch, nämlich mit Lord Wexham, der zwar alt aber wohlhabend und dazu noch kinderlos ist. Dass Céline in dieser Ehe nicht glüchlich sein wird, interessiert niemand. Und so verursacht der überraschende Tod ihres Ehemannes Céline keine übermäßige Trauer. Doch die politischen Wirren dieser Epoche des „Regency“ sind auch im Leben von Céline spürbar, ist doch jeder Franzose, der in England lebt, auch ein möglicher Feind, der den verhassten Kaiser Napoleon unterstützen könnte. Und so kommt es, dass der Mitarbeiter des Innenministerium Rees Phillips unter falschem Namen auf Lady Wexham angesetzt wird, um ihre Loylität zu überprüfen und eventuell landesfeindliche Aktivitäten aufzudecken. Sehr schnell ist klar, dass Rees und Céline sich zueinander hingezogen fühlen, dies aber ihren Interessen im Weg steht. Rees möchte Céline nicht den Behörden verraten, Céline möchte die Kämpfer für Freiheit und Demokratie in Frankreich weiter unterstützten. Dadurch geraten beide in die Schusslinie der gegeneinander intrigierenden Fronten und müssen um ihr Leben fürchten.

Ein gut recherchierter historischer Roman, der einen Einblick in diese nicht so bekannte geschichtliche Epoche gibt. Das Ende ist sehr schnell absehrbar, deshalb fehlt dem Buch auch die Spannung und Tiefe. Vieles ist zu langatmig und detaillreich und damit auch langweilig beschrieben. Sehr nett zu lesen, aber wer etwas mehr Action braucht, sollte sich lieber etwas anderes zum Lesen suchen.

Spratte, Annette: Jabando – Tom & Jojo. Francke, 2018. 9,95 EUR

Jabando 1

Wertung: ♥♥♥♥♥

Egal, was ihr macht, geht nie ohne Bibel!

Jabando – Tom & Jojo ist der Auftaktband einer Buchreihe, die speziell fürs Jungs biblische Geschichten spannend und fesselnd erzählt.

Tom und Jojo, eigentlich Thomas, 12 Jahre alt, und Johannes, 9 Jahre alte, sind Brüder und wie viele Jungs in diesem Alter sehr an virtuellen Spielen interessiert. Um so schöner findet es Tom, dass ein alter Herr aus der Nachbarschaft ihm ein Spiel für seinen Nintendo DS schenkt; allerdings ohne Beschriftung oder Spielanleitung. Aber irgendwie funktioniert das Teil nicht. Aber nachdem der alte Herr Munkel, von dem sie das Spiel erhalten haben, ihnen den ersten Einstieg zeigt („Es werde Licht!“), erkennen Tom und Jojo, dass sie da etwas besonderes bekommen haben – ein Spiel, mit dem man alles spielen kann, was man will. Und es kann noch viel mehr…

Denn plötzlich sind sie mittendrin in einem ganz besonderen Spiel, das sie durch die Bibel führt (die haben sie zum Glück mitgenommen). Ob sie einen Fluss durchqueren, eine mächtige Armee besiegen oder Toms plötzliche Blindheit heilen müssen, die Bibel hilft ihnen weiter. Alles ist ganz real – sie sind durch eine Tür in eine andere Welt getreten. Aber das Spiel wird immer abenteuerlicher und Tom und Jojo fragen sich, wie sie wohl aus dem Spiel wieder rauskommen.

Eine tolle Zeitreise durch die Geschichten der Bibel. Und natürlich treffen die Jungs Jesus, von dem sie vorher eigentlich nichts wussten. Sie erleben seine schönsten und seine schrecklichsten Momente auf der Erde mit und diese Erlebnisse prägen sie dann auch in ihrem realen Leben, sehr zum Erstaunen ihrer Eltern, die auf einmal mit in die Kirche gehen müssen.

Ein spannendes Abenteuer nicht nur für Jungs ab 9 Jahre.

Gephart, Donna: Tod durch Klopapier. Cbt, 2015.

12,99 EUR

Tod durch Klopapier

Wertung: ♥♥♥♥♥

Als Bens Mutter das gute Toilettenpapier durch billiges, kratziges ersetzt, schrillen bei Ben die Alarmglocken. Dass sie Geldsorgen haben, weiß Ben, denn das Telefon wurde bereits abgestellt und es gibt kein Kabelfernsehen mehr. Seit Bens Vater vor neun Monaten verstorben ist, versuchen Ben und seine Mutter weiterhin an „Dads Großem Plan“ festzuhalten: Seine Mutter soll ihr Studium beenden, damit sie einen besser bezahlten Job bekommt. Mit seinem Optimismus und Ideenreichtum versucht der Siebtklässler, seine Mutter so gut es geht zu unterstützen und das Versprechen einzuhalten, das er seinem Vater kurz vor dessen Tod gegeben hat. Trotz seines riesigen Engagements, Teilnahme an jeder Menge Preisausschreiben, Verkauf von Schokoriegeln und Briefe schreiben an die Toilettenpapier-GmbH, kommt schließlich doch die Kündigung der Wohnung. Jetzt kann Ben nur noch auf einen Geldpreis hoffen, den er zusammen mit seinem besten Freund „Zahnstocher“ gewinnen möchte. Dafür ist ihre ganze Kreativität gefragt, aber gleichzeitig merkt Ben auch, dass seine Schultern noch zu klein sind für die Last der Welt…

Das Thema „Geldsorgen“ nach Tod des Hauptverdieners, aber auch Mobbing, Demenz und noch weitere schwere Sorgen werden hier für Kinder thematisiert, „und das so anrührend, dass mir beim Lesen an mancher Stelle ein ganz schöner Kloß im Hals saß. Zum Glück sind da dann immer wieder auch richtig witzige Passagen, z.B. die verrücktesten Fakten über Toilettenpapier, die dem Buch zum Titel verholfen haben. Dennoch nichts für zart besaitete Leser“ (Ilka Hamer, ekz). Ab 11 Jahre.

sg

Morgenroth, Dorothea: Ein Brief für dich. GerthMedien, 2017. 15 EUR

Ein Brief für Dich

Wertung: ♥♥♥♥♥

Denk daran, wo immer du dich niederlässt: Er ist schon da…

Vier Menschen , die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, leben in einer Stadt. Da ist einmal Esther, alleinerziehende Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Töchtern, die auf einmal allein in ihrem in die Jahre gekommenen Haus lebt und irgendwie ihr Leben neu sortieren muss. Gar nicht so weit entfernt lebt Walter, der nach dem Tod seiner Frau und der Cousine Esthers zurückgezogen und verbittert ist und nur für seine Arbeit als Professor lebt. Dann ist da Ruth, ein junge, chronisch kranke Mutter, die jeden Tag als Geschenk aus Gottes Hand nimmt und Menschen mit guten Worten ermutigen möchte. Und schließlich Hajo, den Straßenbauingenieur mittleren Alters, der erst vor kurzem in die Stadt gezogen ist, weil er die Schuld seines bereits verstorbenen Vaters tilgen will und dadurch ein Getriebener ist.

Sanft und unaufgeregt nimmt die Autorin Monika Dockter, die hier unter ihrem Pseudonym schreibt, die vier Lebensfäden auf und spinnt eine wunderbare Geschichte um diese Menschen, die alle ihre Last zu tragen haben und diese doch eigentlich gern abgeben wollen. Doch das können sie nur, wenn sie Vergebung walten lassen – Vergebung erbitten und Vergebung schenken.

Ein wirklich zu Herzen gehendes Buch, dass einlädt, sich selbst wieder neu den Händen des Einen anzuvertrauen.

Austin, Lynn: Wüstenschwestern. Francke, 2018. 19,95 EUR

Wüstenschwestern

Wertung: ♥♥♥♥♥

Gott kennt das Ende unserer Tage. Wir brauchen keine Angst zu haben

Die beiden Schwestern Rebecca und Flora leben im Chicago der zweiten Hälften des 19. Jahrhunderts. Da ihr Vater sehr reich ist, können sie sich eigentlich alles leisten. Durch den frühen Tod der Mutter haben sie zwar nie die liebevolle Erziehung einer weiblichen Hand kennengelernt, aber sie haben sich und ihren Vater und sind damit sehr glücklich. Doch auch in ihrer Gesellschaftsschicht ist es für Frauen nicht so einfach, wird ihnen doch genau vorgeschrieben, wie ihr Lebensziel auszusehen hat, wie sich benehmen müssen und welche Charakterzüge sie zeigen sollen. Aber das will Rebecca, die einen unstillbaren Wissensdurst hat, nicht akzeptieren. Schließlich hat Gott ihr einen Verstand geschenkt, den sie auch nutzen will; vor allem um ihr großes Interesse an alter Geschichte und Sprachen zu stillen. Dass sie damit aneckt, ist schon sehr bald klar. Flora dagegen sieht es als ihre Hauptaufgabe, die Armut in der Welt zu lindern. Und dazu hat sie reichlich Gelegenheit, denn Hunger, Krankheit und Mangel begegnen ihr überall. Und etwas verbindet die beiden Schwestern und macht sie zu einem unschlagbaren Team: ihr Glaube und Reisen. Und so ist ihr erstes großes Abenteuer, das sie selbst geplant und organisiert haben, eine Reise mit ihrem Vater nach Europa und in den Orient. Zwar kehren sie immer wieder nach Chicago zurück und können auch hier ihren Intessen nachgehen, aber mit den Gedanken sind sie schon beim nächsten Abenteuer. Die größte Herausforderung begegnet ihnen dann bei einer Reise durch die Wüste Sinai, wo sie im Katharinenkloster eine verschollene Schriftrolle suchen und beweisen wollen, dass die Bibel über die Jahrhunderte hinweg nicht verändert wurde. Denn Rebecca möchte damit nicht nur die Wissenschaft sondern vor allem den Mann, den sie liebt, begeistern und überzeugen.

Inspiriert wurde Lynn Austin zu dieser Geschichte von den Zwillingsschwestern Agnes und Margaret Smith, die 1843 in Schottland geboren wurden. Die außergewöhnlichen Schwestern entdeckten die „verborgenen Evangelien“ und waren wesentlich an dem Fund der Kairoer Geniza beteiligt, einer Sammlung von ungefähr 300.000 antiken Manuskriptfragmenten, die in einem Lagerraum einer Synagoge in Ägypten gefunden wurden. Beide beherrschten mehrere moderne und antike Sprachen und waren angesehene Forscherinnen, auch wenn sie zur damaligen Zeit keinen höheren akademischen Grad erlangen konnten.

Ein wunderbarer historischer Roman, der viele verschiedene Facetten der damaligen Zeit lebendig werden lässt.

Götze, Mario: Marios großer Traum. Die Kreativspieler, 2018. 12,95 EUR

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Wertung: ♥♥♥♥♥

Auch nicht so fußballaffinen Lesern ist Mario Götze ein Begriff. Ist er doch inzwischen fast schon eine tragische Figur des deutschen Fußballs: 2014 war er der Weltmeistertorschütze in Brasilien, aber verschwand danach aus der Front Row des Fußballs. Eine Krankheit bremste ihn aus und er ist bisher noch nicht wieder als Spitzenfußballer gesetzt.

In seinem Kinderbuch, das er natürlich nicht allein verfasst hat, erzählt Götze die nicht ganz autobiografische Geschichte des zehnjährigen Mario, dessen größter Wunsch es ist, einmal zur deutschen Nationalmannschaft zu gehören. Durch ein Missgeschickt lernt er einen alten Herrn aus der Nachbarschaft kennen, der früher selbst Profifußballer und Nationalspieler war. Dieser trainiert ihn und will ihm helfen, sein Ziel zu erreichen. Bei einem wichtigen Spiel, zu dem auch Talentscouts eingeladen sind, kann Mario zeigen, was er drauf hat. Aber als er einen Spieler der gegnerischen Mannschaft im Elfmeterraum foult, das aber nicht geahndet wird, zeigt Mario seine wahre Größe.

Ein nettes Kinderbuch für Fußballfans ab 8 Jahre.

Striemer, Naomi: Traumberuf Popstar. Advent-Verlag, 2018. 18 EUR

Traumberuf Popstar

Wertung: ♥♥♥♥♥

Naomi Striemers Autobiografie beginnt mit einem Zeitpunkt, an dem sie scheinbar alles erreicht hat. Sie ist 18 Jahre jung, eine begnadete Sängerin und schließt mit Sony Records einen Vertrag über 5 Alben ab. Jetzt kann ihre Weltkarriere beginnen. Aber genauso schnell, wie dieser Traum begann, endet er wieder. Das gesamte Team, das sie betreut und mit dem sie gearbeitet hat, wird entlassen. Das Projekt „Hit-Album“ wird gecancelt und ihre selbst komponierten Lieder für sie nicht mehr erreichbar, da die Lizenzrechte dieser Songs Sony gehören und von ihr nicht mehr gespielt werden dürfen. Alles vorbei bevor es begonnen hat.

Naomi berichtet aber auch, wie es dazu kam. Sie lebte mir ihren Eltern und ihrem Bruder sehr abgeschieden in Kanada. Zuhause gab es kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet. Dafür viel Natur, viel Familie und Gemeinschaft in der Kirchengemeinde. Und Musik ist immer mit dabei. Als Naomi mit 10 Jahren das erste Mal mit einer Freundin im Auto von deren Eltern Musik aus dem Radio hört, ist es um sie geschehen. Das will sie auch machen, sie will Sängerin werden! Und sie kann sogar ihre Eltern dazu überreden, sie dabei zu unterstützen.

Vielleicht ist es dieser behüteten Kindheit und Jugend geschuldet, dass Naomi sehr blauäugig und unkritisch dem Popmusik-Business nähert. Sie will singen und macht sich keine Gedanken darüber, ob dieses Metier für ihren Glauben hilfreich ist. Sie möchte ihren Traum verwirklichen und Gott will doch, dass wir glücklich sind, oder?

Nachdem Naomis Vertrag mit Sony geplatzt ist, eröffnen sich neue Chancen. Wieder erhält sie einen Plattenvertrag, wieder nimmt sie wunderbare Songs auf und wieder zerplatzen alle Träume. Dass die Manager und Labels immer dubioser werden, wird ihr nur langsam klar. Aber Gott hat sie nicht verlassen. Er hat sogar eine ganz persönliche Botschaft für sie, die Er ihr durch einen Chauffeur in einem Hip-Hop-Studio übermittelt. Und jetzt muss Naomi sich entscheiden – in welche Welt gehört sie, wem möchte sie mit ihren Liedern dienen? Das ist gar nicht so einfach, denn die Welt besteht nicht nur aus schwarz und weiß, gut und böse, sondern hat viele Nuancen.

Ein wirklich interessanter Einblick auch oder besonders für Jugendliche, die ihren Lebensweg noch suchen.

Witemeyer, Karen: Selbst ist die Frau! Francke, 2017. 14,95 EUR

Selbst ist die Frau

Wertung: ♥♥♥♥

Was hilft’s, Brüder und Schwestern, wenn jemand sagt, er habe Glauben, und hat doch keine Werke? (Jak 2,14)

Texas 1894: Emma lebt mit ihren Tanten in „Harpers Station“ ein für die damalige Zeit ungewöhnliches Leben. Sie ist Direktorin der dortigen Bank und leitet gewissenhaft und erfolgreich die Geschäfte des kleinen Ortes. Obwohl das in Harpers Station doch nicht ganz so ungewöhnlich wie im restlichen Land ist, denn in der Kleinstadt leben nur Frauen und Kinder – Männer sind nicht vorhanden und auch nicht erwünscht. Denn Emma hat mit ihren Tanten einen Zufluchtsort für all die Frauen geschaffen, die missbraucht, misshandelt, ausgenutzt, verlassen oder allein stehend sind, aber ihr Leben jetzt selbst gestalten und in die Hand nehmen wollen. Eine für alle, alle für eine – so das Motto dieser – heute würde man sagen – Kommune oder Lebensgemeinschaft. Jede hat ihre Aufgabe, egal ob nähen, Hühner züchten, Kinder unterrichten und vieles mehr, und trägt so zum Überleben aller bei. Aber plötzlich droht dieses Glück zu zerbrechen, denn Harpers Station und vor allem Emma erhalten Drohungen, werden sogar angegriffen, mit dem Ziel, alle Frauen zu vertreiben. Jetzt muss Emma sich Hilfe holen und zwar bei Malachi, dem einzigen Mann, dem sie je vertraut hat. Für ihn war sie als Mädchen sein rettender Engel und jetzt ist er sofort bereit, ihr bei der Rettung ihres Traumes beizustehen. Gemeinsam machen sie sich daran, die Banditen, die alles zerstören wollen, zu finden und zu verjagen. Aber bald schon müssen sie erkennen, dass die Schurken Hilfe aus den Reihen der Frauen erhalten; sonst wären sie nicht so erfolgreich. Doch Emma wäre nicht Emma, wenn sie sich dadurch entmutigen lassen würde. Nur irritiert es sie, wie stark sie sich zu Malachi hingezogen fühlt. Und wird er diese Gefühle erwidern? Dann eskaliert die Situation und auch Malachi erkennt, was wirklich wichtig ist im Leben.

Reyes, Beyr: Fünf Jahre und ein Tag. Brunnen-Verlag, 2017. 8,00 EUR

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Wertung: ♥♥♥

489 – A short story about forgiveness

Der Untertitel zu diesem nicht sehr umfangreichen Buch lautet „Gleichnisgeschichte“ und unter diesem Gesichtspunkt muss man den Inhalt auch verstehen. Aber eigentlich ist der Originaltitel um vieles aussagekräftiger.

Es geht um Vergebung. Grayson hat vor Jahren bei einem Autounfall seine Frau und seine Tochter verloren – ein betrunkener Autofahrer hat ihm das Liebste genommen, was er auf Erden hatte. Und um seinen Schmerz zu betäuben, geht er ganz in der Arbeit für Gott auf – nichts ist ihm zu schwierig oder zu gefährlich. Er sucht geradezu die Gefahr, um ein Opfer für Gott bringen zu dürfen. Und so findet er sich eines Tages bei Gott wieder – in einem weißen hellen Raum mit einem Computer und einem großen Bildschirm, auf dem die die letzten Stunden des Leben eines von Alkohol und Mutlosigkeit zerstörten  Mannes zu sehen ist. Erst nach einiger Zeit erkennt Grayson, dass er dort den Autofahrer sieht, der auch sein Leben zerstört hat. Und er will von Gott wissen, warum Miles immer wieder eine neue Chance bekommt. 7 x 70 – so ist die Aussage Gottes. Miles darf also 490 Versuche starten, mit Gott ins Reine zu kommen. Und Miles hinterlässt auf seinem Weg viele Wunden. Aber auch für Grayson ist die Zahl 490 wichtig, denn so oft soll er Vergebung verschenken. Und das dies nicht gleich beim ersten Malen klappt, lässt der Originaltitel ahnen.

Ein einerseits berührendes – jeder Mensch hat seine Geschichte und seine Lasten – aber auch etwas befremdliches Buch. Und dass man durch ein Nahtoderlebnis direkt bei Gott ist, ist biblisch zwar nicht richtig, sei aber der künstlerischen Freiheit geschuldet.

Bischof, Joanne: Weil du mir versprochen bist. Brunnen, 2015. 16,99 EUR

Weil du mir versprochen

Wertung: ♥♥♥♥

Unter einem schlechteren Stern kann eine Ehe gar nicht beginnen: Weil der Luftikus und Frauenschwarm Gideon sie einfach küsst, muss die schüchterne Leonie auf Druck ihres gewalttätigen Vaters Gideon heiraten. Ihr Vater ist froh, ein Maul weniger stopfen zu müssen, aber da hören für alle Seiten die Vorteile schon auf. Leonie und Gideon stammen beide aus ärmlichen Verhältnissen und deshalb müssen sie auch aus ihrem Heimatdorf fort, damit sich Gideon in einer größeren Stadt Arbeit suchen kann. Und obwohl er Leonie zu ihren Ehepflichten gezwungen hat (heute würde man sagen, er hat sie vergewaltigt) und sie jetzt schwanger ist, nimmt er bei seinem Gewaltmarsch im Herbst keine Rücksicht auf seine Frau. Schließlich ist sie an allem Schuld. Als Leonie am Ende ihrer Kräfte ist, treffen die beiden auf Jebediah und seine Frau Elsie, ein älteres christliches Ehepaar, das die beiden bei sich aufnimmt. Für Leonie ist das der Himmel auf Erden, denn von den beiden wird sie geliebt und geschätzt und kann sich durch Mithilfe im Haushalt auch für die beiden etwas tun. Und sie sieht, wie ein liebevolle, gesegnete Ehe sein kann. Gideon dagegen fühlt sich ausgenutzt und unzufrieden und möchte so schnell wie möglich weg. Und dieses Kind, das Leonie erwartet, will er schon überhaupt nicht haben. Eines Tages geht er weg, gerät in schlechte Gesellschaft und bringt nicht nur sich, sondern auch Leonie, Jebediah und Elsie in Lebensgefahr.

Ein gefühlvoller, historischer Roman aus den Siedlerjahren der USA, der auch zeigt, wie ärmlich und hart das damalige Leben war. Und wie viel ein gemeinsamer Glaube dazu beiträgt, die Härten des Lebens besser zu ertragen.

Müller, Titus: Der Tag X. Blessing, 2018. 9,99 EUR

Tag X

Wertung: ♥♥♥♥

Der Tag X: So nannte man in der DDR den Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953, der bis zur Wiedervereinigung in der Bundesrepublik ein Feiertag war. Und vieles, was an diesem Tag geschah, ist bis heute ungeklärt: Wie viele Menschen haben damals demonstriert, waren es 400.000 oder sogar weit mehr als eine Million? Warum haben sich die Leute auf einmal getraut, auf die Straße zu gehen, obwohl die Folgen furchtbar sein konnten (und dann auch waren)? Und wer waren diese Menschen?

Titus Müller hat sich dieses Thema angenommen und mit der von ihm gewohnten Gründlichkeit gesammelt, geforscht, gelesen und ausgearbeitet. Heraus gekommen ist ein umfangreicher, lesenswerter Roman über fiktive Menschen der damaligen Zeit, die es so gegeben haben könnte.

Da ist die Abiturientin Nelly, deren Vater als Wissenschaftler kurz nach Kriegsende von den russischen Besatzern verschleppt wurde. Sie sucht Trost im christlichen Glauben und besucht die Junge Gemeinde, eine kirchliche Jugendorganisation, die der Partei der DDR ein Dorn im Auge ist. Deshalb wird sie kurz vor dem Abitur der Schule verwiesen.

Da ist Lotte, eine alleinerziehende Mutter, deren Mann sich in den Westen abgesetzt hat und sie dadurch gezwungen ist, sich und ihre Söhne allein durchzubringen. Als dann auch noch die Lebensmittel rationiert werden, weiß sie nicht mehr weiter.

Und dann sind da noch die politischen Machthaber, die den Alltag ihrer Bürger entscheiden beeinflussen. Und auch diesen historischen Persönlichkeiten gibt Titus Müller in seinem Roman ein Gesicht, durch das man in die Abgründe der menschlichen Seele blicken kann. Als zum Beispiel Stalin im März 1953 unter großen Schmerzen im Sterben liegt, wird im Nebenzimmer die Macht schon neu verteilt.

Der Roman bietet neben guter Unterhaltung eine Fülle von Informationen zum 17. Juni 1953, berührt, ist perfekt recherchiert und trägt dazu bei, die jüngere deutsche Geschichte kennenzulernen.

Vollkommer, Nicola: Die Rückkehr des Erben. SCM Hänssler, 2017. 15,95 EUR

Die Rückkehr des Erben

Wertung: ♥♥♥♥

In der Fortsetzung von „Wie Möven im Wind“ wird die Geschichte der Bewohner vom ehemaligen Birch Hollow weiter erzählt. Charlotte und Jake sind glücklich verheiratet und erwarten gerade ihr zweites Kind. Ihre erste Tochter Elinor ist durch eine Krankheit fast erblindet und deshalb sehr agressiv und schwierig, was der gesamte Haushalt zu spüren bekommt. Nur Marie, eine junge Frau mit undurchsichtiger Vergangenheit, eröffnet Elinor eine neue Welt, indem sie ihr zeigt, dass man nicht nur mit den Augen sehen kann. Sie erschließt dem Kind ganz neue Erfahrungen und schenkt Elinor eine Zufriedenheit und Aufgeschlossenheit, die ihr viel bedeuten. Aber ob Marie nur Gutes im Sinn hat, daran zweifelt so mancher Bewohner von Birch Heights. Nach den dramatischen Ereignissen um den Tod ihres Vaters und der Aufdeckung seiner schrecklichen Machenschaften ist der Halbbruder von Charlotte mit seinem Vater verschwunden. Charlotte vermisst ihn sehr und sorgt sich zurecht um ihn, denn er lebt mit seinem alkoholkranken Vater in den Armenvierteln Londons und muss als Bestatter der Ärmsten arbeiten.  Aber sein Vater sinnt auf Rache und möchte das Erbe seines Sohnes um jeden Preis für sich gewinnen. Um die Schuld ihres Vaters abzutragen und die schlechten Einflüsse von dem in Birch Heights umbenannten Landgut zu vertreiben, möchten Jake und Charlotte Kindern aus den Waisenhäusern Londons die Möglichkeit geben, bei ihnen unbeschwerte Sommerwochen zu erleben und Lesen, Schreiben und Rechnen sowie Kochen und Haushaltsführung bzw. Feldarbeit und Werken zu lernen. Dazu nehmen sie Kontakt mit einem Leiter von solchen  Häusern in London auf, ohne zu ahnen, dass dies das gesamte Landgut in Gefahr bringt. Bald spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu und schon bald sind Elinor und Marie ihres Lebens nicht mehr sicher…

Ein sehr schöner Roman, der die Sonnen- und Schattenseiten der damaligen Zeit zum Thema hat und immer wieder Hoffnung schenkt.

Das große Abschlussfest von

BUCHDURST_LESEZEICHEN_Junior_2018_Seite_1

war ein voller Erfolg:

 

Dann bis zum nächsten Jahr zu Buchdurst 2019!

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Das Anwesen

Camden, Elizabeth: Das Anwesen. Francke, 2018. 14,95 EUR

Wertung: ♥♥♥♥

Sophie van Riijn ist im Hudson River Valley geboren, aufgewachsen und lebt auch jetzt als junge Frau dort. Sie hilft im Hotel ihres Vaters, dem Bürgermeister des kleinen Ortes New Holland, mit, aber ihre große Leidenschaft ist die Arbeit des neu gegründeten Wetteramtes, das im Jahr 1898 damit beginnt, genaue Wettervorhersagen durch Datensammlung im ganzen Land zu erstellen. Sophie ist eine der Freiwilligen, die eine kleine Wetterstation aufstellt und betreut und täglich die Daten nach Washington meldet. Die Instrumente sind am höchsten Punkt des Ortes aufgebaut, auf dem Dach der seit über sechzig Jahren verlassenen Villa Dierenpark. Dort lebt neben der Köchin und einem Diener keiner der Besitzer mehr. Und deshalb nimmt sich Sophie die Freiheit heraus, das Gebäude für diese wichtige Aufgabe zu gebrauchen. Auch die Einwohner von New Holland verdienen an diesem Umstand, denn die Dampfer, die den Hudson River hinauf fahren, machen an dem imposanten Gebäude einen Stopp, damit die Reisenden Postkarten, Gebäck und Getränke kaufen oder eine Führung über das Gelände machen können. Das geht so lang gut, bis plötzlich ein Nachfahre der Vandermarks auftaucht, das Gebäude wieder bezieht und Pläne macht, alles, was an diesem Fleck steht, dem Erdboden gleich zu machen. Alle Bewohner von New Holland und vor allem Sophie sind entsetzt und versuchen, das zu verhindern. Nach und nach erfährt Sophie von den schrecklichen Schicksalsschlägen, welche die Familie Vandermark heimgesucht haben und die diese mit dem Gebäude in Verbindung bringen. Und obwohl Quentin, der Enkel des jetzigen Besitzers, durch Schmerz, Leid und Verlust zu einem bärbeißigen Mann geworden ist, fühlt sich Sophie zu ihm hingezogen. Auch wenn sie immer wieder behauptet, nur das Haus retten zu wollen, lernt sie Quentin und seinen Sohn Pieter zu lieben. Aber hat sie, die schon dreimal verlobt aber noch nie verheiratet war, überhaupt eine Chance, den Schutzpanzer von Quentin zu durchdringen? Soll sie ihn überhaupt einen Platz in ihrem Herzen geben, da er doch ein überzeugter Atheist ist? Vieles scheint sich zu widersprechen und ist ungelöst, aber dann überschlagen sich die Ereignisse.

Wingate, Lisa: Moses Lake. Francke, 2014. 7,30 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥

Wer das Glück hat, am See zu sein, hat wirlich Glück! (Schild am Ortseingang von Moses Lake)

Wenn jemand  Andrea Hendersen vor zwei Jahren gesagt hätte, dass sie im Alter von 36 Jahren mit ihrem 14jährigen Sohn im Ferienhaus ihrer Eltern in Moses Lake leben und versuchen würde, wieder als Sozialarbeiterin beruflich Fuß zu fassen, dann hätte sie denjenigen einfach ausgelacht und gesagt, dass dies nie passieren wird und sie sehr glücklich mit ihrem jetzigen Leben ist – als treu sorgende Ehefrau eines bekannten Pastors an einem renommierten College, mit einem ausgefüllten Leben in der Kirchengemeinde, vielen Freunden und Bekannten und einem lebendigen Glaubensleben. Aber innerhalb eines Jahres wird dies alles zerstört. Ihr Mann gibt zu, Gelder des College unterschlagen zu haben und verliert seine Stellung. Außerdem eröffnet er ihr, dass er eine außereheliche Beziehung hat, mit der er ab jetzt sein Leben verbringen will. Und da er keine Anstellung aber  viele Schulden hat, sieht er sich nicht der Lage, Andrea und seinen Sohn Dustin finanziell zu unterstützen. Und so ist Andrea dankbar, dass sie bei ihren Eltern unterschlüpfen kann – auch wenn das Verhältnis besonders zu ihrer dominanten Mutter nicht sehr gut ist. Und als sie noch eine Stelle bei einesm Psychologen erhält, kann sie wenigstens sich und ihren Sohn ernähren. Die Arbeit als vom Jugendamt bestellte Betreuerin für Kinder in schwierigen Familienverhältnissen führt sie in die entlegensten Ecken des Gebiets um Moses Lake und so startet ihr erster Arbeitstag im Außendienst absolut chaotisch: Reifenpanne, keine Hilfe weit und breit und dann noch ein Unwetter. Dabei trifft sie aber einen alten Mann in einem Pick-up, der einen ziemlich wilden Hund und vor allem ein kleines Kind bei sich hat. Sofort ist ihre berufliche und menschliche Neugier geweckt und sie möchte wissen, ob es diesem Kind auch wirklich gut geht oder ob es in Gefahr ist. Zum Glück lernt sie den attraktiven Ranger Mart McClendon kennen, der sie nicht nur dabei unterstützt. Und obwohl sie beide noch an den Wunden leiden, die die Vergangenheit ihnen zugefügt hat, kommen sie sich auch privat näher…

Ein spannender, humorvoller und zu Herzen gehender Roman mit einer schönen Liebesgeschichte!

Zur Nieden, Eckart: Rebekkas Tagebuch. Brendow, 2014. 14,95 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥

Rebekkas Tagebuch

Alles beginnt im Juni 1992 als der junge Bildhauer und Steinmetz Paul Born seine Arbeitsscheune erweitern will und dabei unter den Fußbodenbohlen eine Mappe mit handbeschriebenen Blättern findet. Da er die Schrift nicht so gut lesen kann, beschließt seine Frau, alles zu übersetzen und gemeinsam mit ihrem Mann zu erforschen, was das ist. Fast gleichzeitig erhält Paul einen Brief, in dem er von einem Unbekannten 25.000 DM als Geschenk erhält, damit er sich den lang ersehnten Unimog kaufen kann. Für Paul steht fest, dass dies nur von seinem Vater kommen kann. Sofort stellt er seine Mutter Thea, die ebenfalls auf dem Hof wohnt und ihren alten Vater und Besitzer des Hofes Harald Born dort versorgt, zur Rede, denn bis jetzt hat sie ihm nicht gesagt, wer sein Vater ist. Aber Thea weigert sich und meint nur, dass sie nichts sagen kann und darf. Stefanie, die Frau von Paul, stellt fest, dass es sich bei den handgeschriebenen Blättern um ein Tagebuch eines jüdischen Ehepaares handelt, das während der NS-Zeit von den Großeltern Pauls auf dem Heuboden versteckt wurde, Rebekka und Aaron, Nachbarn von Harald Born aus Wuppertal. Deren Sohn Jakob wurde rechtzeitig mit Tante und Onkel nach Amerika geschickt, aber Rebekka und Aaron zögerten zu lang mit der Flucht, so dass es nicht mehr möglich war und sie dankbar bei den Borns auf dem Dorf Unterschlupf fanden. Harald Born war zu dieser Zeit ein überzeugter Nazi und Judenhasser und als Soldat im Krieg. Als er wegen einer Kriegsverletzung nach Hause zu seinen Eltern kommt, wo auch seine Tochter wegen der allierten Bombardierung der deutschen Städte untergebracht ist, erfährt er, dass seine Eltern Juden verstecken. Zwar liefert er diese nicht an die Gestapo aus, aber er zwingt Rebekka und Aaron, den Hof zu verlassen. Harald Born ist auch nach dem Krieg seiner Gesinnung treu geblieben und so trifft es ihn hart, als sein Enkel Paul vom Bürgermeister des Ortes den Auftrag erhält, einen Gedenkstein für die aus dem Ort deportierten Juden anzufertigen. Das will er unbedingt verhindern und greift dafür zu Mitteln, die er nicht mehr beherrschen kann. Als Paul dabei verletzt und sein Werk fast zerstört wird, ahnt seine Mutter Thea, wer dahintersteckt. Endlich ist sie bereit, Paul zu sagen, wer sein Vater ist und warum sie das alles verschwiegen hat. Und so manches weitere Geheimnis wird noch gelöst. „Ein bewegendes Familiendrama rund um Glaube und Widerstand, Gewissen und Umkehr“ heißt es auf dem Klappentext, und dem kann ich nur zustimmen. Eckart zur Nieden schreibt im Nachwort, dass die Personen und die Handlung zwar weitgehend erfunden, einige Elemente jedoch tatsächlich in der Familie seiner Frau geschehen sind. Das macht diese Erzählung noch eindrücklicher.

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Martin, Charles: Ein langer Weg nach Hause. Francke, 2018. 14,95 EUR

Wertung: ♥♥♥♥

Ein langer Weg nach Hause

All denen gewidmet, die wissen, wie sehr es wehtut, wenn man einen geliebten Menschen ziehen lassen muss. Und all denen, deren verheißungsvolle Straße sich als Sackgasse herausstellte… und die es gewagt haben umzukehren.

Cooper O’Connor wächst ohne Mutter bei seinem Vater in Colorado auf. Sein Leben ist von Liebe, Glaube und Musik geprägt. Sein Vater ist ein bekannter Evangelist und Wanderprediger, der den Menschen die Liebe Gottes zeigen möchte und mit seinem tiefen Glauben und Gottvertrauen buchstäblich Berge versetzen kann. Mit dabei ist immer Big-Big, der dankbar das Vertrauen von Coops Vater erfahren hat und ihn als Klavierspieler und Mädchen für alles unterstützt. Und dann gibt es noch Blondie, ein starker Typ, der immer mit dabei ist, aber den nur Cooper sieht und mit dem nur er reden kann. Cooper liebt wie sein Vater die Musik und als bei einem Unwetter der Gottesdienst fast gesprengt wird, zieht Cooper mit seinem Gesang und Klavierspiel alle in seinen Bann. Sein Talent ist unverkennbar und bald stehen die Musikproduzenten Schlange, um ihn unter Vertrag zu nehmen. Aber Coops Vater schickt sie alle weg, was Coop immer unzufriedener werden lässt. Und so kommt es, dass nach einem Streit Coop die Gitarre seine Vaters, dessen Pickup und 12000 Dollar nimmt und einfach nach Nashville abhaut, um endlich seine große Karriere zu beginnen. Aber natürlich geht nicht alles so, wie Coop es sich vorgestellt hat. In der Musikmetropole ist er nur einer von vielen, ohne Erfahrung, ohne Connections und schon bald verliert er alles und sitzt auf der Straße. Dann lernt er Daley kennen, sie ist ein aufgehender Stern am Musikhimmel, und plötzlich wird alles anders, das Blatt wendet sich endlich. Schon fast ganz oben angelangt, kommt der ganz tiefe Fall ins Bodenlose und Cooper verliert erneut alles, seine Stimme, seine Musik, die Liebe seines Lebens und bald sogar sein Leben.

Einerseits eine schöne „Modernisierung“ des Gleichnisses vom verlorenen Sohn, aber manches war meinem Lesevergnügen auch abträglich. Natürlich geht es viel um Musik und die amerikanische Musikbranche, aber es wird auch so manches etwas unscharf dargestellt. Dann sind die Beschreibungen der Erweckungsgottesdienste von Coops Vater für europäische Verhältnisse etwas gewöhnungsbedürftig. Aber besonders hat mich der unsichtbare Begleiter von Cooper irritiert, der immer bei ihm auf dem Klavier sitzt, wenn er Musik macht und der für mich nicht zu der biblischen Beschreibung eines Engels passt.

pd

Nele gibt nicht auf

Jacobsen, Juliane: Nele gibt nicht auf. SCM, 2017. 12,95 EUR. Ab 10 Jahre

Wertung ♥♥♥♥♥ 

Seit ihre beste Freundin weggezogen ist, ist Neles Leben schrecklich einsam geworden. Vor allem als die neue Mitschülerin und Klassenzicke Josie Nele als ihr Opfer ausgesucht hat. Ständig wird sie schikaniert und als dann noch die Planung der Klassenfahrt beginnt, fühlt sich Nele total ausgeschlossen, denn mit ihr will keines der Mädchen das Zimmer teilen. Ihren Eltern erzählt sie natürlich nichts davon, die sind schon sowieso so überängstlich und  würden das gar nicht verstehen. Deshalb fährt Nele nachmittags lieber allein mit dem Fahrrad durch die Gegend als zuhause zu bleiben. Dann könnte ihre Mutter ja Verdacht schöpfen, dass Nele keine Freunde mehr hat. An so einem Tag fährt Nele weiter als sonst und stößt plötzlich auf eine Koppel mit Ponys. Eigentlich liebt sie Ponys und Reiten sehr,  sie hat es sogar einmal in einem Reitverein gelernt. Aber als es dort dann nur noch um Turniere und Preise ging, hat es ihr keinen Spaß mehr gemacht und sie ist einfach nicht mehr hingegangen. Und jetzt möchte sie eigentlich nur von weitem alles beobachten. Da wird sie von Corinna, einer älteren Schülerin und Reitlehrerin von diesem Ponyhof, entdeckt und eingeladen, sich doch alles anzuschauen und mitzuhelfen. Und vielleicht will sie sogar hier reiten. Nele verliebt sich dabei gleich in das Pony Keks, ein gutmütiges, aber manchmal auch stures Pony. Und da Nele die Zustimmung ihrer Eltern braucht, sieht sie eigentlich keine Chance, wie das klappen soll. Dann aber treffen Nele und ihre Eltern Corinna in der Kirche, die sie jeden Sonntag besuchen. Corinna leitet dort einen Mädchenkreis, zu dem auch Nele geht, weil ihre Eltern sie dazu verdonnert haben. Aber jetzt findet Nele es schön, denn Corinna kann sie gut leiden und in der Schule haben sie sich auch schon getroffen. Doch leider entscheiden sich ihre Eltern gegen den Reitunterricht auf dem Ponyhof („Das ist uns alles zu unsicher“) und so sieht Nele nur die Möglichkeit, die Unterschrift ihrer Eltern zu fälschen.  Zum Glück findet Corinna die Wahrheit heraus und ermutigt Nele, doch Gott um Hilfe zu bitten. Nele ist erst sehr skeptisch, aber was hat sie schon zu verlieren. Und wenn Corinna von ihren Erfahrungen mit Gott erzählt, ist das schon sehr ermutigend. Nele lernt ganz langsam zu vertrauen, auf sich selbst, auf Gott und auf andere Menschen. Schritt für Schritt schafft sie es, das Leben wieder zu genießen, auch wenn es Rückschläge gibt. Und eines Tages kann sie den anderen und vor allem der Klassenzicke Josie zeigen, was Vergebung ist und wie weit man sein Herz öffnen kann.

Ein wunderschönes Buch für Mädchen, die Pferde lieben (man erfährt nebenbei ganz viel übers Reiten), und wie Gott das Leben bunt und schön machen kann.

pd

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Nitz, Susann: Milli in Gefahr. MediaKern, 2017. EUR 6,95. Ab 9 Jahre

Wertung: ♥♥♥♥

Milli lebt mit ihrer Mutter in der Stadt, wo die Mutter nach dem Tod des Vaters einen Kisok betreibt. Ihre Oma, die Mutter ihres Vaters, ist darüber nicht sehr erfreut, denn eigentlich verkehrt man nicht mit Leuten, die in einem Kiosk einkaufen. Millis bester Freund ist Joe und beide freuen sich auf die Ferien, denn Joes Onkel Thomas zieht in ihre Stadt. Thomas hat vor einem Jahr ein Bein durch einen Unfall verloren, aber trotz seiner körperlichen Behinderung ist er ein humorvoller Mensch mit  vielen tollen Ideen, und Milli mag ihn sofort. Auch Millis Mama findet ihn richtig nett. Aber dann passieren einige unliebsame Sachen. Und als eine unsympathische Jugendbande auch noch anfängt, richtig Stress zu machen, geraten Milli und ihre Leute in große Gefahr. Eine spannende Story für Kinder von 8 bis 12 Jahren.

pd

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Vollmer, Tabea: Welcome to my life. Neufeld Verlag, 2018. 12,90 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥ 

„Was fängt mit „zum“ an und hört mit „feiern“ auf? Richtig, mein Leben. Zum Feiern! Welcome to my life!“

Das Mutter-Tochter-Gespann Elisabeth (Jahrgang 1970) und Tabea (Jahrgang 1999) haben mit diesem Buch ein tolles, unterhaltsames, aber auch zu Herzen gehendes Buch geschrieben. Es sind der E-Mail-Verkehr und die Tagebucheintragungen der sechszehnjährigen Hailey und ihrer (Paten‑)Tante Kate, Mutter von zwei Jungs. Zwischen beiden entsteht durch einen unglücklichen „Zufall“ ein enges Verhältnis und Hailey ist froh, jemanden zu haben, mit dem sie alles bequatschen kann. Denn es passiert viel in so einem Teenager-Alltag und noch mehr kann man falsch machen. Da ist die beste Freundin, die auf einmal keine Zeit mehr hat, weil sie lieber mit ihrem Freund zusammen ist. Die Führerscheinprüfung, die zu einem fast unüberwindbaren Hindernis wird, die Mutter und kleinen Geschwister, die total nerven , die Schule, die mit „zum“ anfängt und mit „kotzen“ aufhört und überhaupt alles. Aber zum Glück hat man diese Probleme nach nicht allein und auch nicht als erster. Und so kann Tante Kate, die auch so gern Chai Latte trinkt, aus ihrem Erfahrungsschatz so manchen guten Rat geben. Und auch auf den „großen guten Hirten“ hinweisen, der immer alle Fäden in der Hand hält. Auch wenn das Hailey nicht immer so sieht. Ab 13.

pd

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Jury, Walter: SCAN – Im Visier des Feindes. Cbt, 2017. 9,99 EUR. Ab 14 Jahre.

Wertung: ♥♥♥♥♥

Tate, 16 Jahre, lebt bei seinem Vater, der ihn streng erzieht und drillt. Tate, der nie eine richtige Begründung für diese Maßnahmen und Forderungen seines Vaters erhält außer „für die Familie“, hat absolut keine Lust mehr auf das alles. Seine Rebellion äußert sich darin, dass er den Zugang zum Hochsicherheitsbüro seines Vaters hackt und eines Tages einen, seiner Meinung nach harmlosen Scanner entwendet und mit in die Schule nimmt. Doch plötzlich eskaliert die Situation und Tate muss um sein Leben fürchten. Zusammen mit seiner Freundin Christina kann er nur knapp entkommen. Auf der Flucht finden sie heraus, dass die Menschen, die sie verfolgen in Wahrheit Aliens sind und letztlich das Schicksal der Erde von Tate und Christina abhängt.

Jury, Walter: BURN – Der Anfang vom Ende. Cbt, 2017. 9,99 EUR

Der Scanner, den Tates Vater als einzige Chance zur Rettung der Menschheit entwickelt hat, ist verschwunden. Doch Tate und Christina werden inzwischen nicht nur von Aliens gejagt, sondern auch von feindlich gesinnten Menschen. In einem Safe House von Tates Vater entdeckt Tate einen Hinweis darauf, was die Erde wirklich bedroht. Bald merkt er, dass der Gegner noch viel mächtiger und gefährlicher ist als angenommen und sie nur eine Chance haben, wenn sie zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen. Aber die Zeit ist knapp…

„Bodyguard“ meets „Men in Black“!

sg

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Ole von Pups

Nehring, Hans-Dietrich: Ole von Pups. Francke, 2017. 9,50 EUR. Ab 8 Jahre.

Wertung: ♥♥♥♥

Jesus streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: „Ich will es tun! Sei gesund!“ Im selben Augenblick war der Mann von seiner Krankheit geheilt. Lukas 5,13

Ole ist etwa 10 Jahre alt und eigentlich ein Hamburger. Aber leider muss er mit seinen Eltern nach Bayreuth umziehen und das gefällt ihm überhaupt nicht. Er vermisst seine Freunde, seine Schule, einfach sein altes Leben. Er hat großen Bammel, als er seinen ersten Schultag in Bayreuth hat und natürlich passiert bei der Vorstellung vor der Klasse das, was man sich wirklich nicht wünscht: Ole muss laut hör- und riechbar vor Aufregung pupsen. Und schon hat er seinen Spitznamen weg – Ole von Pups. Und als seine Mutter ihn beim Abholen von der Schule auch noch mit seinem Kosenamen „Stinkebär“ ruft, ist es natürlich ganz aus.  Und so ist Ole sehr, sehr einsam. Als er doch einmal mit den anderen Fußball spielen darf, versemmelt er das auch noch und foult einen Klassenkameraden heftig. Mit so einem wollen die Kinder in der Klasse nichts zu tun haben und schon gar nicht Freundschaft schließen. Aber da gibt es ja noch Pfarrer Leinenweber, der ein gutes Gespür dafür zu haben scheint, was die Klasse gerade braucht. Und so erzählt er im Religionsunterricht die Geschichte, wie Jesus einen Aussätzigen heilt. Dadurch erhält Ole eine zweite Chance. Aber nicht alle freuen sich darüber. Wie es weitergeht und was ein verlorenes Schaf, ein geknacktes Sparschwein und ein äußerst freundlicher Elefant mit der ganzen Sache zu tun haben, darf man gern selbst nachlesen.

Ein schönes Kinderbuch zum Thema Mobbing, Vergebung und Neuanfang.

pd

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Belitz, Bettina: Ein Schimmer von Glück. Franckh Kosmos Verlag, 2017. 12,99 EUR

Wertung : ♥♥♥♥♥

Slawa seufzte: „Ich glaube, das hat keinen Sinn.“ „Oh, doch, das hat es!“ widersprach ich. „Mag sein, dass Bonnie dabei ist, sich aufzugeben, aber ich bin es nicht. Ich glaube an Wunder!“

Mira möchte nur noch weg, nachdem ihre beste Freundin sie bitter enttäuscht hat. Zum Glück ist sie  mit ihrer Mutter sowieso gerade auf dem Weg in den Urlaub. Doch dann bekommt ihre Mutter einen Anruf. Miras Eltern leben seit Jahren getrennt und haben auch kaum Kontakt miteinander, aber jetzt ist ihr Vater verschwunden und sein Hof und die Tiere sind sich selbst überlassen. Da ihre Eltern nicht offiziell geschieden sind, ist ihre Mutter jetzt zuständig. Urlaub fällt also aus, aber da Mira unbedingt fort möchte, überredet sie ihre Mutter,  zum Hof ihres Vaters zu fahren. Dort entdeckt Mira eine schwerkranke Stute im Stall, die eingeschläfert werden soll. Doch Mira will sie auf keinen Fall aufgeben und obwohl alles dagegen spricht, setzt Mira, zusammen mit dem Jungen Slawa, alles daran die Stute zu retten. Durch die Liebe zu diesem Pferd und die direkte Art von Slawa wächst Mira weit über sich hinaus… Die Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit. Ab 12.

sg

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Feurer, Melissa C.: Die Ausreisser – Sehnsucht nach Meer. Fontis, 2018. 13 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥♥

„Vier Jugendliche; vier Gründe, alles hinter sich zu lassen; ein gemeinsames Ziel: das Meer“

Eigentlich ist doch alles in Ordnung bei Nele. Aber nur eigentlich. Seit ihr Vater sie, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hals über Kopf wegen einer anderen Frau verlassen hat, läuft bei Nele überhaupt nichts mehr rund. Ihre Mutter ist durch die Doppelbelastung ständig gereizt, hat nie Zeit und die kleine Schwester nervt. In der Schule gibt es außerdem genug fiese Mädchen, die ihr wegen ihrer Figur und der Familiensituation das Leben zur Hölle machen („Nele, ihr seid doch Christen, darf dann dein Vater einfach so abhauen?“). Als ihre Mutter das merkt, bittet sie Neles Patentante, die Religionslehrerin an Neles Schule ist, das Thema in der Klasse doch anzusprechen. Und das geht Neles Meinung nach ja überhaupt nicht! Das macht doch alles noch schlimmer. Nur weg, vielleicht zu ihrem Vater?

Lars dagegen möchte lieber so weit weg von seinem Vater wie möglich. Nach dem Tod der Mutter vor einigen Jahren hat der Vater völlig den Halt verloren und wurde zum Alkoholiker, der im Rausch seinen Sohn mit und ohne Grund brutal schlägt. Nur weg, denn besser wird es nicht.

Lars und Nele lernen den Aussteiger Noah mit seiner Hündin Cassiopeia kennen und ergreifen die Gelegenheit, sich mit ihm auf den Weg zu machen – erst einmal ohne Ziel. Nele möchte dann aber zu ihrem Vater nach Glückstadt, um ihn zu überreden, wieder nach Hause zu ihr, ihrer Mutter und ihrer Schwester zu kommen. Und so machen sie sich auf Richtung Norden.

Für Nele und Lars ist das Leben auf der Straße ein großes Abenteuer: Kein Geld, Trampen, Laufen, Containern, unter freiem Himmel schlafen. Zum Glück hat Noah damit schon reichlich Erfahrung, sonst wären Nele und Lars ziemlich aufgeschmissen.

Dass so eine „Reise“ kein Zuckerschlecken und nicht nur das pure Abenteuer ist, merken die beiden aber auch schon bald. Nele will ihren Plan unbedingt umsetzen, weil sie sicher ist, dass dann bei ihr alles wieder gut wird.

In Gießen stößt dann noch eine Freundin von Noah zu ihrer Gruppe, die eine sehr düstere Vergangenheit und viele körperliche und seelische Wunden mit sich herumträgt. Wieder muss die Gruppe sich zusammenraufen und alle merken, dass diese gemeinsame Reise nicht nur ein Vorankommen von Ort zu Ort ist, sondern vielmehr ein steiniger und schmerzhafter Weg zu sich selbst… Ab 13 Jahre.

pd

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Ziegler, Reinhold: FACEFUL – Du bist nie allein. Edition Zweihorn, 2017. 6,95 EUR. Ab 12 Jahre

Wertung: ♥♥♥♥

„Das richtige Leben muss endlich anfangen“

Lucie ist fassungslos, als ihr Vater verhaftet wird. Sie ahnt, dass sie Schuld daran ist. Ihre große Liebe Tobi war nicht zu ihrem ersten Date erschienen. Deshalb hatte sie ihren Vater, ein Computer-Nerd,  gebeten, Tobi, den sie im Netz auf FACEFUL kennengelernt hat, zu überprüfen. Dabei hatte ihr Vater unfassbares entdeckt. Langsam begreift Lucie, dass Tobi und FACEFUL ein perfides Spiel treiben und zwar nicht nur mit ihr. Doch wie soll sie jetzt ohne ihren Vater herausfinden, was es damit auf sich hat? Wer ist Freund, wer ist Feind und hat sie überhaupt eine Chance bei einem Gegner wie FACEFUL?

sg

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Elliott, Rosslyn : Süßer als das Lied der Lerche. Francke-Buchhandlung, 2017. 14,95 EUR

 Wertung: ♥♥♥♥♥

„Oh! my poor Nelly Gray, they have taken you away,
And I’ll never see my darling any more;
I’m sitting by the river and I’m weeping all the day.
For you’ve gone from the old Kentucky shore.“

„Süßer als das Lied der Lerche“ von Elliott Rosslyn ist der Nachfolgeband von „Das Glück, von dem ich träume“.  Während der erste Band die Geschichte von William Hanby erzählt, wird im vorliegenden Buch das Leben seines Sohnes Benjamin wiedergegeben. Ben hat seinen starken Glauben, seine rhetorischen Fähigkeiten und sein handwerklichen Fähigkeiten von seinem Vater geerbt. Außerdem ist er sehr musikalisch.  Als Mitglied der Literaturgesellschaft der männlichen Studenten des Otterbein-College organisiert Ben eine Musikveranstaltung, für die er die hochsensible und schüchterne Studienkollegin Mary Katherine Winter gewinnen kann. Kate ist eine der begabtesten Studentinnen, möchte mit ihrer wunderschönen Stimme aber keinesfalls vor Publikum auftreten. Ben versucht, Kate aus der Reserve zu locken und findet hierbei in ihrer Mutter unerwartete Unterstützung. Ruth Winter hat jedoch eigene Pläne für Kate, die nicht unbedingt mit denen ihrer Tochter übereinstimmen. Als Kate bereits den Entschluss gefasst hat, aus ihrem lieblosen und kalten Elternhaus zu entfliehen, wirft ein dramatisches Ereignis sie völlig aus der Bahn: Die Begegnung mit einer Sklavenfamilie verändert Kates Leben.

Durch ihren Glauben fühlen sich die Hanbys verpflichtet, den Kampf gegen die Sklaverei zu unterstützten und so viele Sklaven wie möglich zu befreien.  Dass sie dadurch gegen geltendes Recht verstoßen, liegt an der damals aktuellen Gesetzeslage in Ohio. Und auch die Protagonisten dieser Geschichte gab es wirklich.  Die Autorin gibt in diesem Band die Lebensgeschichte von Ben Hanby und die Geschichte seines im Jahre 1856 berühmt gewordenen Liedes „Geliebte Nelly Gray“  wieder.  Im Nachwort beschreibt die Autorin die historischen Fakten dieser Buchserie und gibt Quellen für Leser an , die sich näher damit befassen möchten.

pd

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Arndt, Jörg: Space prophet. Brendow, 2018. 16,00 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥

 
„Jonas, Jonas. Ich möchte, dass du etwas für mich tust. Du musst dieses Schiff verlassen und eine Botschaft für mich ausrichten.“
 

Der Weltraum – unendliche Weiten, in die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Das ist für Jonas alles Realität, denn er lebt in einer Zeit , die noch weit vor uns liegt. Die Menschen sind tief in den Weltraum vorgedrungen und haben  fremde Planeten kolonisiert, da die erdeigenen Ressourcen schon lange nicht mehr ausreichen. Eine neue Zeitrechnung wurde begonnen, denn ein schrecklicher Religionskrieg, durch den sich die Menschheit beinahe selbst ausgelöscht hätte, hat dazu geführt, dass statt der verschiedenen Religionen eine Einheitsreligion eingeführt wurde: die Eirenosophie,  die Versatzstücke aus allen Religionen enthält, ohne eine letzte Wahrheit zu beanspruchen. Denn so etwas soll nie wieder möglich werden und deshalb  regelt fortan eine Weltregierung die Geschicke der Planeten.  Die einzige Gefahr im Weltall sind Piraten, die einem alten Glauben anhängen, der von ihnen Vergeltung für den gewaltigen Angriff auf das irdische Heiligtum Mekka fordert. Sie leben auch nicht mehr auf der Erde, sondern haben sich auf einen Planeten zurückgezogen, von wo aus sie ihre Beutezüge in die Galaxien starten.  Zur Abwehr dieser Angriffe hat die Weltregierung die „Peacemaker“ in den Dienst gestellt, das größte jemals gebaute Raumschiff. Und Jonas hat es geschafft. Er ist Mitglied der Crew der „Peacemaker“. Zwar nicht als Elitesoldat, wie er es sich als Kind erträumt hatte, sondern als spiritueller Begleiter, der sich um die seelsorgerischen Belange der Crewmitglieder kümmert. Eines Tages hört er eine Stimme, die behauptet, Gott zu sein. Diese befiehlt ihm, in das Piratenhauptquartier zu reisen und den Piraten eine Botschaft mitzuteilen.  Jonas glaubt nicht an einen echten Gott, und so hält er sich für überarbeitet und ignoriert den Auftrag. Als dann noch bei einem Angriff auf die Peacemaker sein Freund stirbt und ihm einen Wombat hinterlässt, er die “Signale“ eines weiblichen Crewmitglied missdeutet, befürchtet er, verrückt zu werden. Kurzentschlossen beantragt er Heimaturlaub auf der Erde und reist auf den nächstgelegenen Planeten, um einen Transfer zur Erde zu ergattern. Allerdings bietet sich für die Weiterreise nur ein Transportschiff an, aber Jonas ist froh, einfach von allem wegzukommen. Das Schiff gerät allerdings in einen Energiesturm und Jonas wird mit einer Rettungskapsel  auf einen menschenfeindlichen Planeten gebracht. Obwohl er das unwirtliche Land fast umbringt, lernt er aber dadurch, auf diese innere Stimme, die sich immer wieder meldet,  zu hören und um Hilfe zu bitten. Tatsächlich wird er gerettet, aber kommt – wie es so schön heißt – vom Regen in die Traufe. Zwar wird er gesund gepflegt und versorgt, wird dafür aber als Sklave in das Bergwerk geschickt, wo er mit anderen Männern zum Abbau von Erzen gezwungen wird. Wie in einem Walfischbauch lebt er von nun an unter Tage und erwartet nicht, jemals noch einmal die Freiheit zu erlangen. Als er dann noch durch ein Unglück verschüttet wird, ist ihm klar, dass nur diese Macht, auch Gott genannt, retten kann. Er schreit um Hilfe, verspricht Gott, den Auftrag auszuführen und… wird gerettet (das kommt einem bekannt vor, oder?).  Mit Hilfe seines Wombats schafft er es zurück auf die „Peacemaker“, denn sein Versprechen hat er bald wieder vergessen. Aber auf der „Peacemaker“ wird er als Drückeberger und Verräter vom größten Teil der Besatzung geschnitten.  Und er merkt, dass er diesen Auftrag, den Gott ihm gegeben hat, nicht einfach ignorieren kann. So kehrt Jonas auf den Planet Kyros zurück, trifft den Khan der Piraten, übermittelt seine Botschaft und… setzt die Aktion völlig in den Sand. Der Khan kann ihn nicht ernst nehmen, die Dringlichkeit der Botschaft geht unter, aber Jonas kann sich wenigstens beruhigt zurücklehnen, denn er hat seine Schuldigkeit getan. Dass es dabei aber nicht bleiben kann, erkennt Jonas schnell, denn Gott hat noch viel mehr für ihn vorbereitet…  Ab 14.

pd

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Weber, Annette: SEE YOU – Ich sehe dich. Edition zweihorn, 2017. 6,95 EUR. Ab 12 Jahre.

Wertung: ♥♥♥♥

Ana Maria kommt aus Brasilien, lebt aber schon seit einigen Jahren in Deutschland. Mit ihren Freunden tanzt sie in einer Breakdancegruppe, aber eigentlich wollte sie immer mit Samba berühmt werden. Ihre beste Freundin Lina führt sie in den Livestream bei SEE YOU ein und sie tanzen zusammen etwas vor. Ana Maria ist völlig fasziniert von den bewundernden und begeisterten Kommentaren der Zuschauer und als die Zugriffszahlen der Zuschauer zuletzt bei 784 liegen, landen sie auf Platz 1 der Rankingliste. Schließlich fängt Ana Maria auch selber heimlich von zu Hause aus an, bei SEE YOU mitzumachen. Sie versucht die Warnung zu beachten, nicht zu viel von sich preiszugeben, zumal es auch seltsame Kommentare gibt. Aber leider läuft alles ziemlich schnell aus dem Ruder und als ihre Eltern auch noch nach Brasilien müssen und sie allein zu Hause bleibt, eskaliert die Situation völlig…

sg

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Schomburg, Andrea: Das Geheimnis der gelben Tapete. München: Tulipan, 2018. 10 EUR. Ab 8 Jahre.

Wertung: ♥♥♥♥♥

Emilia und ihre fünfjährige Schwester Henriette besuchen mit ihren Eltern Tante Treppchen, Tante Klößchen und deren Hund Pirat. Tante Treppchen heißt so, weil ihr blaues Haus auf einer Anhöhe liegt und man auf dem Weg dorthin viele Stufen bewältigen muss. Tante Klößchens Name ergibt sich eigentlich von selbst und der Hund ist das genaue Gegenteil eines wilden, furchterregenden Pirat. Die Kinder lieben das alles und werden wie ihre Eltern bei diesem Besuch von den Tanten damit überrascht, dass  diese ihnen das Haus schenken wollen. Tante Treppchen und Tante Klößchen wollen eine Weltreise machen und dann in eine kleinere Wohnung (mit Aufzug!) ziehen. Und so fängt die Familie an, das blaue Haus zu renovieren und sich um Pirat zu kümmern, denn der bleibt nämlich auch bei ihnen. Emilia freut sich sehr über diese Ablenkung, denn in der Schule ist gerade für sie nicht so schön. Ihre beste Freundin Julia nämlich will immer alles bestimmen und hat deshalb beschlossen, dass der neue Schüler Robert stinkt und sich deshalb niemand mit ihm abgeben darf. Eigentlich findet Emilia das gemein, aber sie wagt es nicht, etwas anderes zu tun, als Julia sagt, denn schließlich ist sie doch ihre beste Freundin, oder? Und Robert wird doch nur immer wütender, weil keiner mit ihm spielt. Aber Emilia ist lieber still.

Hinter den alten Tapeten im blauen finden Emilia und Henriette einige Schätze. Zuerst stößt Emilia auf einen kleinen goldenen Schlüssel, dann finden sie einen alten  Zeitungsausschnitt aus dem Jahr 1955 mit dem Bild eines Mädchens, das genauso so aussieht wie Emilia, und der Überschrift „Die mutige Elisabeth E.“. Es zeigt Tante Treppchen als neunjähriges Mädchen. Natürlich wollen Emilia und Henriette die ganze Geschichte dazu erfahren, aber gelöst wird alles erst, als sie auch das Tagebuch von Tante Treppchen finden und lesen. So erfahren sie, warum die Tante erzählt haben, dass sie fast immer beste Freundinnen waren und was wirklich bei einer Freundschaft zählt. Emilia nimmt sich das zu Herzen, stellt sich mutig zu ihrem neuen besten Freund und entdeckt das Geheimnis echter Freundschaft.

Ein wunderschöner kleiner Roman für Grundschüler, der zum Mitfiebern und Nachdenken anregt.

pd

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Bews, Amanda: Summer fades. Lüneburg : Advent-Verlag, 2017. 14,90 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥

Der Titel dieses Jugendbuches kann auf zwei verschiedene Weisen ins Deutsche übersetzt werden: einmal „Der Sommer verblasst“ oder „Summer verwelkt/verschwindet“. In diesem tiefgehenden Jugendroman geht es um die siebzehnjährige Summer, die mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Sydney lebt. Eigentlich eine ganz normale Schülerin, die gut in der Schule ist, zwar nicht so viele Freunde hat, aber eigentlich alles in allem zufrieden sein könnte. Zwar ist ihre beste Freundin vor ein paar Jahren weggezogen, aber bei Summer müsste eigentlich alles in Ordnung sein. Ist es aber nicht, denn „Summer verwelkt“ – sie hat Magersucht. Als achtjähriges Mädchen wurde Summer  wie ihre beste Freundin Julie von einem alten Nachbarn sexuell missbraucht. Julie hat von diesem Missbrauch ihrer Mutter erzählt, die daraufhin weggezogen sind. Die Mutter von Julie war am Boden zerstört, hatte aber so viel eigene Probleme, dass sie ihrer Tochter nicht helfen konnte bzw. keine Hilfe zukommen ließ. Als Summer gesehen hat, wie viel Schmerz diese Wahrheit über eine Familie bringt, beschließt sie zu schweigen. Aber dafür sind die inneren Stimmen, die sie verurteilen – schließlich ist sie doch sicher selbst an allem Schuld – immer lauter. Und so möchte Summer einfach verschwinden, indem sie kaum noch etwas isst. Ihre Freundin Julie, die wieder zurück in ihre alte Schule kommt, hat dieses traumatische Erlebnis ebenfalls nicht verarbeitet. Sie aber „bestraft“ sich auf andere Weise, nämlich dass sie ihren Körper jedem zur Verfügung stellt, der dafür bezahlen kann. Beide Mädchen sehen bei der jeweils anderen, dass ihr Verhalten selbstzerstörerisch ist, aber wissen nicht, wie sie das ändern können. Antworten erhalten sie erst, als sie die Cousine von Julie treffen, die seit einiger Zeit den Bibelkreis einer Kirchengemeinde besucht und dort Jesus kennengelernt hat. Ein sehr verständnisvoller, älterer Pastor (eigentlich hassen Julie und Summer alte Männer) und viele ganz liebe ältere Frauen zeigen ihnen, dass sie geliebt werden und helfen ihnen so, Stück für Stück heil zu werden.

Ein zu Herzen gehendes Buch mit Informationen zu diesem Thema und Adressen, an die man sich als Betroffener oder Angehöriger wenden kann.

pd

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JuKris-Plakat 2018
JuKriS – Junge Kritiker am Schulzentrum Marienhöhe e.V.

Alte Geschichte, neu erlebt…

Aslan, Chris: Alabaster. Holzgerlingen : SCM Hänssler, 2017. 15,95 EUR

Wertung: ♥♥♥♥♥♥

Da nahm Maria ein Pfund Salböl von unverfälschter, kostbarer Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber wurde erfüllt vom Duft des Öls (Joh 12,3)

Diese biblische Geschichte ist der Höhepunkt in der Lebensgeschichte von Marjam, das der Autor Chris Aslan in seinem Buch „Alabaster“ beschreibt. Dass, was aus der Bibel bekannt ist, ist seine Grundlage, der zeitliche Hintergrund und auch Fantasie füllen den Inhalt aus.  Die beiden Frauen Marta und Marjam leben in einem Dorf, in dem sie bereits geboren wurden. Marta ist unverheiratet und wohnt allein im Elternhaus, denn die Mutter und der Vater sind verstorben. Tragisch am Tod des Vaters ist, dass er sich bei einem Aussätzigen, dem er geholfen hat, mit dieser damals todbringenden Krankheit angesteckt hat. Auch wenn er von dem Sterbenden einen Alabasterkrug mit einem halben Liter reinem Nardenöl geschenkt bekam, der ein Vermögen wert ist, erinnert dieser Krug nur an das Leid, das Marta und Marjam erlitten haben. Nach einer Vergewaltigung ist Marjam schwanger und muss sich mit einem ungeliebten Mann verheiraten, dessen Familie sie schlechter als eine Sklavin behandelt, vor allem auch weil sie dieses Kind verliert. Als dann auch noch der Bruder Eleasar und der Cousins Jokkan verschwinden, müssen Marta und Marjam alle Hoffnung auf ein besseres Leben aufgeben. Nur dieses Alabastergefäß bleibt noch als ein letztes Symbol für die Hoffnungen und Träume, die Marta und Marjam einmal hatten.

Überaus lebendig beschreibt Chris Aslan in seinem Roman die Geschichte der Ich-Erzählerin Marjam. Die Lebensumstände und das Umfeld dieser Zeit, die Stellung der Frau und die strengen religiösen Regeln werden genau dargestellt. Die Gefühle von Marjam werden einprägsam geschildert und die Tragödien ihres Lebens ungeschönt preisgegeben. Durch die Erkrankung des Vaters wird auch gezeigt, wie ausgestoßen und geächtet Leprakranke damals leben mussten und keine Aussicht auf Heilung bestand. Doch dann kommt ein mysteriöser Arzt, den seine Begleiter auch „Lehrer“ nennen, in das Dorf, kehrt bei Marta und Marjam ein und auf einmal ändert sich alles. Kranke, Besessene, Blinde und Leprakranke werden durch den Lehrer geheilt, und jeder, der ihm begegnet, wird durch ihn berührt. Aber es gibt auch andere Stimmen, nämlich die voll Neid, Zorn und Missfallen. Marjam sucht seine Nähe, denn auch sie spürt, dass er ihr Leben verändern und neu machen kann. In einem vertraulichen Gespräch offenbart ihr dieser Lehrer, dass sein Ende, aber auch seine Auferstehung nahe sind. Da entschließt sich Marjam, ihm das Kostbarste zu schenken, dass ihre Familie besitzt: das Alabastergefäß mit reinem Nardenöl. Sie salbt die Füße des Mannes und trocknet sie mit ihrem langen Haar – eine Handlung, die in die biblische Geschichte einging und niemals in Vergessenheit geraten wird.

pd

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Zurück in die Vergangenheit…

Vogt, Fabian: Zurück. Brendow, 2016. 15,00 EUR

Wertung: ♥♥♥♥

Als die Uhr am Silvesterabend des Jahres 2000 zwölfmal schlägt, beginnt für alle ein neues Jahr – nur nicht für Max. Entsetzt muss der junge Wissenschaftler feststellen, dass er stattdessen ein Jahr in die Vergangenheit gereist ist. Damit nicht genug: Von nun an wacht er jeden Morgen 365 Tage weiter in der Vergangenheit auf. Total verwirrt und verzweifelt versucht Max zu Beginn seiner Zeitreise noch Kontakt zu seinem Leben zu halten, in dem er die Nähe seiner Eltern, seines jüngeren Ichs und seiner Freunde sucht. Und so manches unerklärliche Geschehen in der Vergangenheit klärt sich plötzlich auf, zum Beispiel warum in der Gartenhütte seiner Eltern in einer Nacht im Jahr 1992 plötzlich  alles kurz und klein geschlagen war (das war Max selbst während einer Phase voll Wut und Verzweiflung über seine Zeitreise). Aber immer mehr und mehr verliert er den Halt, denn eines Tages ist er nicht mehr geboren, seine Eltern existieren noch nicht, selbst die Stadt Frankfurt, wo er geboren und aufgewachsen ist, verliert ihr für ihn bekanntes Gesicht. Was soll das alles? Warum passiert das ausgerechnet Max? Verwirrt taumelt er durch die Jahrhunderte, versucht in diesen fremden Zeiten und ungewohnten Lebensumständen zu überleben und zwar im wahrsten Sinn des Wortes. So muss er darauf achten, in den Abendstunden nicht auf einem Schiff zu sein, denn er weiß ja nicht, ob dieses am nächsten Tag bereits existiert. Und er versucht, sich selbst Hinweise zu geben, in dem er Menschen, die in der normalen Zeitabfolge leben, Nachrichten mitgibt, die sie ihm in der Zukunft geben können. Wie zum Beispiel dem Maler van Dyck, der Maximilian auf einem seiner bekannten Gemälde verewigt. Im Mittelalter trifft Max einen alten Mönch, der  ihn darauf hinweist, dass diese Zeitreise eine wunderbare Möglichkeit ist und Gott sicher einen Plan verfolgt. Außerdem rät er ihm,  doch Jesus persönlich um Rat zu bitten. Diese Gedanken rütteln Maximilian auf. Er erkennt, wie egoistisch er in seinem normalen Leben und auch während seiner Zeitreise gelebt hat. Dies ändert seine komplette Lebenseinstellung. Jetzt hat Maximilian ein Ziel. So wendet sich der Zeitreisende Richtung Jerusalem. Er möchte jetzt so manche geschichtliche Frage lösen, will anderen schwere Lasten etwas leichter machen, ohne die Geschichte zu verändern. Und dann endlich landet er in der Zeit, in der er Menschen trifft, die Jesus noch persönlich kannten. Aber kurz vor Ziel kommt dann doch noch alles ganz anders…

Eine ungewöhnliche Idee wird hier zu einer interessanten Lesereise durch die Zeit, bei der man durch das Gefühlskarussell und den Zwiespalt, in dem Maximilian lange lebt, angeregt wird, auch über sein eigenes Leben nachzudenken und vielleicht notwendige Richtungsänderungen zu erkennen und durchzuführen.

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Science-Fiction-Preis.

pd

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Ein tolles Jugendbuch…

Terri Blackstock: Wenn sie mich finden (If I run ; 2). Brunnen-Verlag, 2018 

Wertung: ♥♥♥♥♥

Casey ist auf der Flucht, eines Mordes beschuldigt, den sie nicht begangen hat. In seinen geheimen Mails behauptet ihr Verfolger Dylan, die Wahrheit zu kennen. Will er Casey wirklich helfen, die wahren Mörder zu entlarven, oder lockt er sie in eine Falle? Um das herauszufinden, müsste sie ihm ihr Versteck verraten. Auf ihrer Flucht übernachtet Casey in einem Motel. Dort findet sie in der Schublade nicht nur eine gebrauchte Bibel sondern auch einen Abschiedsbrief eines Mannes, den er an seine Familie geschrieben hat. Casey möchte gern diesen besonderen Brief der Familie zukommen lassen und sucht deshalb die Adresse des Mannes heraus. Erfreut stellt sie fest, dass Dan seine Ankündigung nicht wahr gemacht hat und noch lebt. Aber er hat diesen Gedanken noch immer, denn als Lehrer wird er von einer Familie beschuldigt, eine Grundschülerin sexuell missbraucht zu haben. Casey merkt sehr schnell, dass diese Anschuldigungen falsch sein müssen und sie beschließt Dan zu helfen, indem sie herausfindet, wer sich an dem  kleinen Mädchen wirklich vergangen hat. Dass sie dadurch doppelt in die Schusslinie von Verfolgern gerät, wird ihr fast zum Verhängnis. Aber auch Dylan ist weiter auf ihrer Spur und vor allem sucht er nach Beweisen, dass Caseys Vater keinen Selbstmord begangen hat und dass dessen Mörder auch die Mörder ihres besten Freundes sind. Als sich Casey und Dylan endlich treffen, merken sie, wie viel sie verbindet, aber um Caseys Sicherheit willen müssen sie sich sofort wieder trennen und jeder muss allein versuchen, die wahren Täter zu überführen. Und Casey braucht diese Zeit auch noch, um zu erfahren, dass Dylans Gott auch ihr Gott sein möchte. Band 3 ist im Englischen bereits erschienen. Ein spannender Thriller mit Gänsehautgarantie.

pd

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Cathy Liggett: Der kleine Laden in Sugarcreek. Francke, 2018

Wertung: ♥♥♥♥♥♥

Darum tröstet euch untereinander und einer erbaue den andern, wie ihr auch tut. 1.Thessalonicher 5,11

Drei Frauen treffen sich in dem kleinen Handarbeitsladen in Sugarcreek. Und alle drei haben gemeinsam, dass sie einen geliebten Menschen verloren haben, den sie unendlich vermissen. Da ist Jessica, die mit ihrem siebenjährigen Sohn Cole in die Wohnung über dem Handarbeitsladen einzieht. Sie hat das Haus und das Geschäft von ihrer Tante Rose geerbt. Tante Rose war ihre ganze Familie, denn als Jessicas Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen, ist sie es, die das damals junge Mädchen bei sich aufnimmt und großzieht. Aber Tante Rose ist bei einem Brand, durch den die Ortskirche zerstört wurde, ums Leben gekommen. Deshalb möchte Jessica auf jeden Fall den Handarbeitsladen als Vermächtnis ihrer Tante weiterführen, auch wenn sie kaum Ahnung und keine Freude am Nähen, Stricken oder sonstigen Handarbeiten hat. Deshalb ist Jessica sehr erleichtert, als sie Lydia, eine junge Amischwitwe, findet. Lydia hat ihren Mann ebenfalls bei diesem Kirchenbrand verloren, er war als Feuerwehrmann dort im Dienst. Für Lydia, die kaum Kontakt zu ihren Nachbarn und anderen Amish hat,  ist Handarbeiten Hobby und Passion, eine wunderbare Art, etwas Schönes zu erschaffen. Und nach und nach überwindet sie ihre Schüchternheit und genießt die neue Tätigkeit im Handarbeitsladen. Kennengelernt haben sich die beiden, als Jessica und ihre Freundin Liz, eine Immobilienmaklerin, ihr nachts heimlich ein „Trostgeschenk“ vor die Tür legen wollen, um ihr zu zeigen, dass jemand an sie denkt und ihr etwas Gutes tun will. Bisher hat Liz das immer gemeinsam mit ihrer Freundin Rose gemacht, doch nach deren Tod möchte Liz deren Nichte Jessica mit in diesen „Geheim-Hilfsbund“ einbeziehen. Und auch Liz braucht Trost, denn nach dem Tod ihres Mannes ist sie einsam und muss sich allein um Haus und Hof kümmern. Das kostet sie viel Kraft, aber ihr Glaube und ihr Lebensmut helfen ihr, auch wenn Geldsorgen und drohende Arbeitslosigkeit sie nieder zu drücken drohen. Mit der Zeit erfährt man als Leser immer mehr über das Leben der drei Freundinnen. Warum Lydias Mann nie Nähe zugelassen hat und auch keine Kinder wollte, warum Jessica aus ihrem behüteten Leben bei Tante Rose ausgebrochen ist und wie Liz sich eine erfüllende Zukunft vorstellt. Die drei Frauen sind warmherzig und liebevoll beschrieben und man kann sich gut in die drei hineinversetzen und mit ihnen weinen, lachen und mitfühlen. Der Glaube ist bei allen drei in ganz unterschiedlichen „Phasen“. Liz hat schon viel mit Gott erlebt und weiß, dass Er das schönste Leben für sie vorgesehen hat; Lydia ist in ihrem strengen Glauben etwas gefangen, traut sich aber auch, Gott Vorwürfe zu machen und sich von ihm trösten zu lassen. Jessica ist das „Glaubensküken“, will aber wieder näher zu diesem Gott, der ihr Hilfe, Trost und Heilung schenken kann.

Ein schöner, netter Roman mit viel Herzenswärme, Liebe und Wohlfühlatmosphäre – sehr empfehlenswert!

pd

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